Der typische Exposétext beginnt mit "Wir freuen uns, Ihnen dieses gepflegte Objekt in bevorzugter Lage anbieten zu dürfen" – und hat damit drei Zeilen verbraucht, ohne eine einzige Information zu liefern.
Das Problem ist nicht der Stil. Es ist, dass Adjektive den Platz belegen, den Fakten bräuchten.
Der Leser überfliegt, er liest nicht
Ein Interessent, der zehn Exposés vergleicht, liest keines davon vollständig. Er sucht nach bestimmten Angaben: Zuschnitt, Zustand, Ausrichtung, Nebenkosten, Sanierungsbedarf, Anbindung.
Ein Text, der diese Angaben in Fließtext versteckt, wird nicht gelesen, sondern übersprungen. Deshalb funktionieren kurze Absätze, Zwischenüberschriften und Aufzählungen besser als ein durchgehender Block – auch wenn das weniger elegant wirkt.
Streichliste: Formulierungen ohne Aussage
Diese Wendungen stehen in fast jedem Exposé und sagen nichts:
- "in bevorzugter Lage" – welche Lage, und bevorzugt von wem?
- "gepflegter Zustand" – Baujahr der letzten Renovierung nennen
- "großzügiger Schnitt" – Quadratmeter der Räume nennen
- "viel Potenzial" – wird als "sanierungsbedürftig" gelesen
- "ruhige Lage" – ohne Angabe zur Verkehrsanbindung wirkt es wie "abgelegen"
- "Liebhaberobjekt" – gilt als Warnsignal
Der Test: Ließe sich die Formulierung auf jede zweite Immobilie anwenden? Dann kann sie weg.
Was stattdessen hineingehört
Konkretheit erzeugt Vertrauen, weil sie überprüfbar ist:
Statt "helle Räume": "Wohnzimmer mit Fensterfront nach Südwesten, Nachmittagssonne bis etwa 19 Uhr"
Statt "gute Anbindung": "S-Bahn in 6 Gehminuten, Autobahnauffahrt 3 km"
Statt "moderne Ausstattung": "Bad 2021 saniert, Heizung 2019 erneuert, Fenster dreifach verglast"
Statt "familienfreundlich": "Grundschule 400 m, Kita im selben Wohngebiet"
Jede dieser Angaben beantwortet eine Frage, die sonst zum Anruf oder zum Absprung führt.
Die Struktur, die funktioniert
1. Ein Satz zur Einordnung – was ist das, für wen, wo
2. Die Fakten – Fläche, Zimmer, Baujahr, Zustand, Energie
3. Der Rundgang – Räume in der Reihenfolge einer Besichtigung
4. Die Lage – konkret, mit Entfernungen
5. Das Drumherum – Stellplatz, Keller, Gemeinschaftsflächen, Hausgeld
6. Der offene Punkt – was zu tun ist, ehrlich benannt
7. Der nächste Schritt – wie man einen Termin bekommt
Punkt sechs fehlt fast immer, ist aber der wirksamste. Wer den Sanierungsbedarf offen benennt, verliert die Falschinteressenten vor der Besichtigung statt danach.
Ehrlichkeit als Filter
Ein Beispiel: "Die Wohnung liegt zur Straßenseite. Die Fenster wurden 2020 mit Schallschutzverglasung erneuert; in den Schlafräumen nach hinten ist es ruhig."
Dieser Satz kostet einige Interessenten. Er spart aber Besichtigungen, die nach drei Minuten beendet sind – und er erzeugt bei denen, die bleiben, Vertrauen in alle übrigen Angaben.
Rechtlich heikle Punkte
Exposéangaben sind keine unverbindliche Werbung. Sie können Vertragsgrundlage werden. Besonders sensibel:
Flächenangaben. Nennen Sie die Quelle und die Berechnungsgrundlage. Wo Unsicherheit besteht, hilft eine normgerechte Flächenberechnung mehr als ein Haftungsausschluss.
Zustandsangaben. "Saniert" ist ein starkes Wort. Was genau saniert wurde und wann, gehört dazu.
Energieangaben. Die Pflichtangaben müssen vollständig sein – Details im Beitrag zum Energieausweis.
Visualisierungen. Möblierte Bilder aus virtuellem Staging oder Renderings müssen als solche gekennzeichnet sein.
Bekannte Mängel dürfen nicht verschwiegen werden. Das gilt auch für Bilder: Ein retuschierter Feuchtefleck ist keine Bildoptimierung.
Länge
Zwischen 300 und 600 Wörtern ist für die meisten Wohnimmobilien richtig. Kürzer wirkt lieblos, länger wird nicht gelesen.
Bei Gewerbe darf es länger sein, weil dort mehr technische Angaben nötig sind – aber dann gegliedert, nicht als Fließtext.
Der Text ist nicht der Anfang
Eine unbequeme Wahrheit: Der beste Exposétext rettet kein schlechtes Titelbild. Die Klickentscheidung fällt am Bild, der Text wirkt erst danach.
Wer die Wirkung des Inserats verbessern will, beginnt deshalb bei den Fotos und arbeitet sich zum Text vor – nicht umgekehrt.
Die ersten zwei Sätze entscheiden
Portale zeigen in der Vorschau nur den Anfang des Beschreibungstextes. Was dort steht, entscheidet über das Weiterlesen – und dort steht bei den meisten Inseraten eine Begrüßungsfloskel. Nutzen Sie die ersten beiden Sätze stattdessen für das stärkste Argument des Objekts: die Südlage, den frisch sanierten Zustand, die Anbindung, den Zuschnitt. Was Sie dort nicht unterbringen, wird von einem erheblichen Teil der Leser nie gesehen. Ein einfacher Test: Lesen Sie nur die ersten dreißig Wörter Ihres Textes. Wüssten Sie danach, ob das Objekt für Sie infrage kommt?
Zielgruppengerecht statt allgemeingültig
Ein Text, der alle ansprechen soll, spricht niemanden an. Überlegen Sie vor dem Schreiben, wer das Objekt realistisch kauft: die junge Familie, der Kapitalanleger, das Paar im Ruhestand, der Handwerksbetrieb. Jede dieser Gruppen liest denselben Grundriss anders. Für die Familie zählen Schulweg, Garten und Kinderzimmer; für den Anleger Rendite, Mietpreis und Instandhaltungsstau; für den Ruhestand Barrierefreiheit und Erreichbarkeit von Ärzten. Ein Text, der auf die wahrscheinlichste Gruppe zugeschnitten ist, erzeugt weniger, aber deutlich passendere Anfragen.
Aufzählungen schlagen Fließtext
Die Lesegewohnheit im Portal ist scannend, nicht linear. Was als durchgehender Absatz formuliert ist, wird überflogen; was als Aufzählung steht, wird gelesen. Nutzen Sie deshalb Listen für alles Faktische – Ausstattungsmerkmale, Modernisierungen mit Jahreszahl, Nebenkosten, Anbindung mit Entfernungen. Für Fließtext bleiben die Passagen, in denen es um Wirkung und Zusammenhang geht: wie die Räume ineinandergreifen, wie das Licht im Tagesverlauf wandert, wofür sich der Nebenraum eignet. Diese Trennung macht denselben Inhalt spürbar zugänglicher, ohne dass ein Wort mehr geschrieben werden muss.
Was bei Vermietung anders ist
Mietinserate folgen anderen Regeln als Verkaufsangebote. Interessenten entscheiden schneller, vergleichen mehr Objekte und filtern härter nach harten Kriterien. Entsprechend gehören Nebenkosten, Kaution, Verfügbarkeitsdatum und Haustierregelung prominent in den Text, nicht ans Ende. Auch die Frage nach der Anzahl der Interessenten spielt eine Rolle: Wer Massenanfragen vermeiden will, benennt die Anforderungen konkret – Einkommensnachweis, Nichtraucherwohnung, Höchstzahl der Bewohner. Das reduziert die Zahl der Antworten erheblich und erspart Absagen an Menschen, die von vornherein keine Chance hatten.
Der Text im Zusammenspiel mit den Bildern
Text und Bild sollten dasselbe erzählen. Ein häufiger Bruch entsteht, wenn der Text von einem hellen, offenen Wohnbereich spricht und die Fotos einen dunklen Raum zeigen. Der Leser glaubt in diesem Fall dem Bild – und zweifelt anschließend am gesamten Text. Prüfen Sie deshalb jede Aussage gegen das vorhandene Bildmaterial. Wo die Bilder eine zutreffende Aussage nicht stützen, ist nicht der Text das Problem, sondern die Aufnahme. Dann lohnt eher eine Nachbearbeitung oder ein neues Foto als eine abgeschwächte Formulierung.
